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Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.
Das Metrum
Das Metrum ist das regelmäßige Muster aus betonten und unbetonten Silben, das die sprachliche Bewegung eines Verses ordnet.
Das Enjambement
Das Enjambement ist ein Zeilensprung, bei dem ein Satz oder eine syntaktische Einheit über das Ende einer Verszeile hinaus in der nächsten Verszeile fortgeführt wird.
Rilkes Gedicht macht die Wahrnehmung des Tieres zum eigentlichen Gegenstand und lässt die Form dabei genau das leisten, was der Inhalt behauptet. Schon im ersten Satz steht das Subjekt beim Blick: „Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe / so müd geworden, daß er nichts mehr hält.“ Damit rückt die Erschöpfung aus dem Körper in das Sehen, und die Gefangenschaft erscheint als etwas, das zuerst die Wahrnehmung beschädigt. Die dreifache Nennung der Stäbe füllt die erste Strophe mit einem einzigen Gegenstand, bis am Strophenende „keine Welt“ steht, sodass die Wiederholung das Gitter sprachlich nachbaut, von dem sie spricht. In der zweiten Strophe hält der fünfhebige Jambus die Bewegung gleichmäßig in Gang, während der Vergleich „ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte“ dem Zwang die Gestalt der Schönheit gibt und der Superlativ „im allerkleinsten Kreise“ die Enge messbar macht. Die dritte Strophe eröffnet mit „Nur manchmal“ eine Ausnahme, und der Zeilensprung trägt das Bild über drei Verse hinweg, bis es „im Herzen“ ankommt. Genau dort verkürzt sich der Schlussvers als einziger auf vier Hebungen. Dem Bild fehlt der Takt, den es zum Bleiben bräuchte. Das Tier nimmt also weiterhin wahr, doch seine Wahrnehmung erreicht nichts mehr, und dieses Erlöschen wird im Rhythmus des letzten Verses erfahrbar, bevor das Gedicht es überhaupt benennt.
Die Syntax
Die Syntax bezeichnet den Bau von Sätzen und die Art ihrer Verknüpfung, durch die ein Text Rhythmus, Tempo und Nachdruck gestaltet.
Schreibe einen analytischen Absatz zu dem folgenden Ausschnitt.
„Was ist mit mir geschehen?“ dachte er. Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Menschenzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden.
Franz Kafka, aus: Die Verwandlung (1915)
Untersuche, wie der Text die Ruhe seiner Sprache gegen das Ungeheuerliche des Berichteten setzt. Achte dabei auf:
Solution
Stufe 1
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Stufe 7
Musterantwort auf Stufe 7
Kafkas Erzähler stellt die Ungeheuerlichkeit der Verwandlung mit den Mitteln einer nüchternen Zustandsbeschreibung dar und überlässt das Erschrecken damit vollständig den Lesenden. Die Frage „Was ist mit mir geschehen?“ bleibt Gregors einzige Reaktion und wird sofort von dem Satz „Es war kein Traum.“ abgelöst, der in vier Wörtern und ohne jede Einschränkung die einzige beruhigende Erklärung ausschließt. Die anschließende Beschreibung des Zimmers arbeitet mit Wörtern der Vertrautheit: Es ist „ein richtiges, nur etwas zu kleines Menschenzimmer“ und liegt „ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden“. Diese Wortwahl setzt das Ungeheuerliche in eine unveränderte Umgebung, und gerade die Unverändertheit macht die Verwandlung unheimlich. Der Satzbau ordnet dabei nichts unter: Frage, Feststellung und Beschreibung stehen gleichrangig nebeneinander, als gäbe es zwischen ihnen kein Gefälle der Bedeutung. Die erzählende Stimme bleibt eng bei Gregors Wahrnehmung und übernimmt seine Ruhe, statt sie zu kommentieren. Damit weist der Text jede Empörung von sich und zwingt die Lesenden, sie selbst aufzubringen. Genau darin liegt die Aussage des Anfangs: Eine Katastrophe, die niemand als Katastrophe behandelt, wird für die Figur unlösbar, weil ihr die Sprache fehlt, in der sie sich beklagen könnte.