Der Kommentar erklärt die volle PunktzahlBezugsessay: Der Kommentar bezieht sich auf den Muster-HL-Essay zu Rainer Maria Rilkes Neuen Gedichten.Werk: Die beiden Bände von 1907 und 1908 werden im Unterricht als ein Werk gelesen.Leitfrage: Wie verwandelt Rilke in den Neuen Gedichten das betrachtete Ding in eine Forderung an die Betrachtenden?Umfang: Der Essay hält sich an 1.200 bis 1.500 Wörter und weist jede Textstelle nach.Gesamtbewertung: Der Essay erreicht 20 von 20 Punkten, weil er eine enge Frage textnah, formbewusst und bestreitbar beantwortet.Kriterium A: Kenntnis, Verständnis und InterpretationTiefe der DeutungDer Essay bestimmt das Dinggedicht als ein Verfahren und begründet diese Bestimmung am Titel der Sammlung.Die Leitfrage wird aus dem Werk selbst entwickelt und an zwei Gedichten geprüft.Die Deutung erklärt, weshalb die Genauigkeit des Sehens eine Verpflichtung erzeugt, und bleibt damit über der bloßen Beschreibung.Auseinandersetzung mit dem ganzen WerkDer Essay bezieht beide Bände ein und behandelt sie als das eine Werk, als das sie gelesen wurden.Karussell, Fontäne, Hortensie und Flamingos belegen, dass sich das Verfahren an Gegenständen ohne inneren Zusammenhang wiederholt.Der Pariser Entstehungszusammenhang und die Arbeit für Rodin ordnen die Wendung zum genauen Sehen historisch ein.Nähe und Weite im GleichgewichtEinzelne Verse werden genau untersucht, etwa der erste Satz des Panther und die Schlussverse des Torso-Sonetts.Von jeder Einzelstelle führt der Essay zur Frage nach dem Verfahren der Sammlung zurück.Die Aussage über das ganze Werk bleibt dadurch an wenigen, genau ausgewiesenen Stellen überprüfbar.Exam techniqueWo Punkte verloren gehen: wenn der Essay den Inhalt der Gedichte nacherzählt.Wo Punkte verloren gehen: wenn die Leitfrage nur die Einleitung bestimmt und in den Hauptteilen aus dem Blick gerät.Kriterium B: Analyse und BewertungAnalyse der GestaltungsmittelSatzbau: Das grammatische Subjekt des ersten Satzes im Panther ist der Blick, und das Tier erscheint nur als dessen Besitzer.Metrum und Reim: Der fünfhebige Jambus und der Kreuzreim halten eine Regelmäßigkeit ein, die der beschriebenen Gleichförmigkeit entspricht.Form: Der Wendepunkt des Sonetts fällt mit dem Übergang von den Quartetten zu den Terzetten zusammen.Bewertung der WirkungZu jedem Mittel benennt der Essay, was es an seiner Stelle bewirkt, etwa dass zwei Relativsätze das Wort Wille umschließen.Der Essay beurteilt die Entscheidung, den Panther ohne jeden Appell an das Mitgefühl zu schließen.Er erklärt, weshalb das fehlende Bindewort vor der Schlussforderung diese Forderung als unmittelbares Ergebnis des Hinsehens erscheinen lässt.Prüfung des GegenargumentsDer Einwand, ein solches Verfahren ästhetisiere fremdes Leiden, wird ausdrücklich formuliert und mit Beispielen gestützt.Der Einwand wird am Schluss des Panther geprüft und dort mit einem Beleg zurückgewiesen.Der Essay benennt, woran seine eigene Deutung scheitern würde, und hält sie damit bestreitbar.Exam techniqueWo Punkte verloren gehen: wenn Stilmittel aufgezählt werden und ihre Wirkung unbestimmt bleibt.Wo Punkte verloren gehen: wenn ein Gegenargument genannt und danach ohne Prüfung liegen gelassen wird.Kriterium C: Schwerpunktsetzung, Gliederung und EntwicklungKlarer AufbauEinleitung, vier Hauptteile und Schluss folgen genau dem Weg, den die Einleitung ankündigt.Die ersten beiden Hauptteile bleiben beim Panther, der dritte wechselt zum Torso-Sonett, der vierte prüft das Verfahren.Jeder Hauptteil verbindet Behauptung, Beleg, Deutung und Rückbindung an die These.Entwicklung des GedankensDer Weg führt von der Forderung als Entzug zur Forderung als ausgesprochenem Satz.Der vierte Hauptteil hebt die Untersuchung von den beiden Gedichten auf die Ebene des Verfahrens der ganzen Sammlung.Der Schluss beantwortet die Leitfrage und benennt die Bedeutung des Dinggedichts für die Lyrik nach 1900.Umfang und SchwerpunktDie Vorgabe von 1.200 bis 1.500 Wörtern zwingt zu einer engen Leitfrage, und der Essay hält diese Vorgabe durchgehend ein.Zwei Gedichte tragen die Untersuchung, während weitere Titel allein als Beleg dienen.Kein Absatz verlässt die Frage nach der Forderung an die Betrachtenden.Exam techniqueWo Punkte verloren gehen: wenn der Essay eine einzelne Textstelle kommentiert und das Werk als Ganzes aus dem Blick verliert.Wo Punkte verloren gehen: wenn die Hauptteile eine andere Reihenfolge einschlagen als die Einleitung ankündigt.Kriterium D: SpracheFachspracheBegriffe wie Dinggedicht, Kreuzreim, Quartett, Terzett und Wendepunkt stehen an der Stelle, an der sie eine Beobachtung tragen.Die Unterscheidung zwischen dem lyrischen Ich und dem Autor bleibt durchgehend gewahrt.Kein Begriff wird verwendet, ohne dass der Essay ihn am Text belegt.Satzbau und TonKurze Feststellungen wechseln mit längeren analytischen Sätzen und halten den Gedankengang beweglich.Der Ton bleibt sachlich, und jedes Urteil steht zusammen mit seinem Beleg.Aktive Formulierungen machen deutlich, welches Mittel welche Wirkung hervorruft.Zitieren und NachweisenDie Verszitate markieren den Zeilenwechsel im laufenden Satz mit einem Schrägstrich.Die Schreibung der zitierten Ausgabe bleibt unverändert, weshalb dort „daß“ und „mußt“ stehen.Eine einzige Zitierweise wird vom ersten bis zum letzten Nachweis durchgehalten.Exam techniqueWo Punkte verloren gehen: wenn der Ton in eine gesprochene oder unbestimmte Redeweise fällt.Wo Punkte verloren gehen: wenn Zitate ohne Ausgabe und ohne Vers- oder Seitenangabe stehen.NoteVier Eigenschaften führen zusammen zur vollen Punktzahl.Eine enge Leitfrage, die sich am Werk als Ganzem beantworten lässt.Textnahe Belege, die kurz bleiben und sofort gedeutet werden.Formbewusstsein, das Satzbau, Metrum und Sonettbau als Träger der Aussage behandelt.Bestreitbarkeit, weil der Essay den stärksten Einwand gegen die eigene Deutung selbst prüft.So führt eine Textstelle zur Aussage über das ganze WerkDie Textstelle wählen: eine kurze Stelle, an der das untersuchte Verfahren sichtbar wird.Den Absatz bauen: Behauptung, Beleg und Deutung in dieser Reihenfolge.An die Leitfrage zurückbinden: Jede Beobachtung endet bei der Frage, die der Essay gestellt hat.Die Bedeutung bewerten: benennen, was die Stelle für das Werk als Ganzes zeigt.Die Werkwahl beachten: Ein für Paper 2 verwendetes Werk steht für den HL-Essay nicht mehr zur Verfügung.