Nach einer Einleitung von ungefähr 150 bis 200 Wörtern und einem Schluss von ebenfalls ungefähr 150 bis 200 Wörtern bleiben etwa 1.000 bis 1.200 Wörter für den Hauptteil.
Dieser Hauptteil entwickelt die eigentliche Argumentation deines Essays.
Plane drei bis vier ausführliche Hauptabsätze, damit jeder Gedankengang genügend Raum für Beleg, Analyse und Bewertung erhält.
Bei weniger als drei Absätzen bleibt die Untersuchung leicht oberflächlich.
Bei mehr als vier Absätzen besteht die Gefahr, dass sich die Argumente wiederholen oder die Analyse zu wenig Raum bekommt.
Jeder Hauptabsatz untersucht eine eigenständige Perspektive auf deine Fragestellung und führt dafür neue Belege und neue Deutungsansätze ein.
Jeder Hauptabsatz folgt einer klaren Argumentationskette
Jeder Hauptabsatz konzentriert sich auf einen klaren Gedanken, der deine Leitfrage unmittelbar weiterführt.
Eine verlässliche Struktur verbindet Behauptung, Beleg, Analyse und Bewertung.
Formuliere zuerst einen Themensatz, der die zentrale Aussage des Absatzes präzise nennt.
Führe danach einen konkreten Beleg aus dem Werk an oder verweise auf ein bestimmtes Gestaltungsmittel.
Erkläre anschließend, wie dieser Beleg deine Behauptung stützt und welche Wirkung die Gestaltung erzeugt.
Verknüpfe die Analyse mit deiner Leitfrage, damit der Absatz zur Gesamtargumentation beiträgt.
Ergänze eine Bewertung, indem du die Bedeutung des beobachteten Gestaltungsmittels für das Werk oder deine These einordnest.
Ein kurzer Ausblick auf den folgenden Gedankengang kann den Übergang zwischen den Absätzen herstellen.
Example
Leitfrage: Wie untersucht Jhumpa Lahiri in *The Namesake* die Verbindung zwischen kultureller Identität und persönlicher Selbstdefinition?
Behauptung: Lahiri gestaltet Benennung und Umbenennung als Ausdruck von Gogols innerem Konflikt um seine Identität.
Beleg: Gogol trägt den Namen des russischen Schriftstellers Nikolai Gogol und empfindet diesen Namen im Lauf seiner Entwicklung zunehmend als Belastung.
Analyse: Die Reaktion auf den Namen zeigt seine Distanz zu seinem kulturellen Erbe und zu dem Selbstbild, das seine Eltern mit ihm verbinden.
Bewertung: Die spätere Annahme des Namens „Nikhil“ veranschaulicht seinen Versuch, die eigene Lebensgeschichte selbst zu bestimmen.
Verbindung: Lahiri macht dadurch sichtbar, wie kulturelle Zugehörigkeit und persönliche Selbstdefinition miteinander in Spannung geraten.
Example
Leitfrage: Wie untersucht Shakespeare in *Macbeth* die Auflösung persönlicher Identität durch unkontrollierten Ehrgeiz?
Behauptung: Shakespeares Monologe zeigen, wie Macbeths Ehrgeiz seine moralische Orientierung und sein Selbstbild schrittweise zersetzt.
Beleg: In seinen Monologen wägt Macbeth wiederholt die Folgen seiner Entscheidungen ab und erkennt den eigenen Ehrgeiz als treibende Kraft seines Handelns.
Analyse: Die innere Stimme macht den Konflikt zwischen moralischer Einsicht und Machtstreben hörbar.
Bewertung: Macbeths Sprache verändert sich dadurch von selbstkritischer Unsicherheit zu einer Haltung, in der Gewalt als notwendiges Mittel erscheint.
Verbindung: Die wechselnde innere Stimme verbindet die Entwicklung der Figur mit der Frage, wie äußere Erwartungen und eigene Wünsche ein Selbstbild verändern.
Die vier Schritte machen jeden Absatz belastbar
Behauptung: Beginne mit einer Aussage, die einen klaren Beitrag zu deiner Leitfrage leistet.
Beleg: Verankere die Aussage in einem präzisen Zitat, einer konkreten Textstelle oder einem eindeutig benannten Gestaltungsmittel.
Analyse: Erkläre die Wirkung des Belegs und zeige, wie die sprachliche, formale oder strukturelle Entscheidung Bedeutung erzeugt.
Bewertung: Ordne ein, weshalb diese Beobachtung für deine Deutung des Werks von Bedeutung ist.
Rückbindung: Führe den Gedankengang zu deiner These zurück und bereite, falls sinnvoll, den nächsten Absatz vor.
Eigenständigkeit: Prüfe vor dem nächsten Absatz, ob du einen neuen Blickwinkel, einen neuen Beleg oder eine neue Funktion untersuchst.
Tip
Prüfe jeden Absatz: Frage, ob seine Behauptung die Leitfrage beantwortet, ob der Beleg präzise ist und ob die Analyse die Wirkung der Gestaltung erklärt.
Vermeide Wiederholungen: Ein weiteres Zitat zum gleichen Gestaltungsmittel erweitert die Argumentation nur, wenn es eine neue Funktion oder einen neuen Deutungsansatz zeigt.